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In alter Zeit, bis vor etwa 750 Jahren, war unser Erzgebirge noch dichter Urwald. Miriquidi (undurchdringlicher Wald) wurde es genannt. Nur wenige Wege, die Salzstraßen, auf denen Salz aus der Gegend um Halle nach Böhmen gebracht wurde, führten hindurch. Dann aber entdeckte man den Silberreichtum am Fuße des Erzgebirges, im Gebiet um Freiberg. Man vermutete, daß auch weiter oben im Gebirge noch so mancher Reichtum zu finden sei. Das sprach sich in vielen Gegenden herum, auch im Nachbarland Böhmen.

Dort befand sich seit 1197 das Kloster Ossegg, in dem Zisterzienser-Mönche wohnten. Das waren Männer, die ihr Leben Gott ganz zur Verfügung stellen wollten. Sie hatten das Versprechen abgelegt, auf Familie und Besitz zu verzichten und Gott und ihren Vorgesetzten ganz gehorsam zu sein. "Bete und arbeite!" – so lautete ihre wichtigste Regel. Das heißt: Sie trafen sich mehrmals am Tag zum Gottesdienst und zum Gebet, aber dazwischen arbeiteten sie fleißig auf dem Feld, auf dem Bau, in der Entwicklung neuer Techniken. Vor allem waren sie bekannt als Leute, die sich mit dem Bergbau und der Glasmacherkunst auskannten.

Das Land für ihr Kloster hatten die Mönche von den Rittern von der Riesenburg bekommen, denen die Gegend um Ossegg damals gehörte. Deshalb war es kein Wunder, daß diese Ritter, die Mönche losschickten, um in dem ihnen zugänglichen Teil des Erzgebirges Erze zu suchen. Erze sind in den Stein eingeschlossene Metalle. Die Ruine der Riesenburg steht heute noch auf einem bewaldeten Berg in der Nähe von Ossegg und läßt erkennen, wie groß die Burg war.

Also machten sich die Mönche von Ossegg aus auf den beschwerlichen Weg, immer den steilen Berg am Südhang des Erzgebirges herauf und erkundeten vor allem die Bachläufe, denn im Bachsand befindet sich immer etwas von den Erzen, die in dem Gebirge liegen. Hier im Seiffener Gebiet wurden die Mönche fündig: Sie fanden kleine graue Körnchen im Bachsand und wußten: Das ist Zinn, ein damals ganz wichtiges Metall, das zum Beispiel gebraucht wurde, um Teller und Becher, aber auch Orgelpfeifen herzustellen. Wenn man etwa einen Teil Zinn und vier Teile Kupfer zusammenbrachte, konnte man auch die wertvolle Bronze herstellen, die man z.B. für Glocken brauchte.

Also begannen die Mönche, an den Berghängen Bäume zu fällen und Gräben anzulegen. In die Gräben warf man die zinnhaltigen Steinmassen. Dann ließ man auf den Bergen gesammeltes Wasser die Gräben herunter, das sich im Tal in tieferen Gruben, den sogenannten Zinnseiffen, sammelte. Dabei senkten sich die Zinnkörner nach unten ab, sie konnten geschöpft und dann weiterverarbeitet werden.

Diese harte Arbeit, das Zinnausseiffen, hat unsrem Ort den Namen gegeben. Seiffen wird 1324 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Über mehrere Jahrhunderte hat man in unserem Ort nur auf diese Weise Zinn gewonnen. Noch bis etwa 1700 gab es diese alte Technik in Seiffen. Das Anlegen der Zinnseiffen und anderer bergmännischer Anlagen machte es nötig, Teile des dichten Waldes abzuholzen. Doch das Holz wurde natürlich auch anderweitig dringend gebraucht, zum Beispiel zum Bau von Häusern und Hütten. Noch viel mehr Holz aber wurde in sogenannten Meilern zu Holzkohle verarbeitet oder in den Glashütten als Brennmaterial benötigt.

Wie wurde aus dem Bergbauort das Spielzeugdorf?

Sehr lange haben die Bewohner von Seiffen vor allem vom Bergbau gelebt. Dabei hat man über mindestens 400 Jahre das Zinn so ausgeseift, wie es die Zisterzienser- Mönche gemacht haben. Der Vorteil dabei ist: Das Zinn, was man dabei gewinnt, ist schon sehr rein, es kann schnell zu fertigem Zinn verarbeitet werden. Aber die Menge ist immer gering. Deshalb hat man dann das Zinnerz auch aus festem Gestein abgebaut. Dazu wurden Gänge in den Felsen geschlagen, der Bergmann sagte dazu Stollen.

Und es entstanden die Bingen. Das sind sehr große, tiefe Gruben in der Erde. An anderen Orten sind sie meist durch Einsturz von Stollen entstanden. Auch hier in Seiffen gibt es eine solche Binge. Wir vermuten aber, daß hier bei uns nichts eingebrochen ist, sondern daß die Bergleute wie in einem Steinbruch, im sogenannten Tagebau, Zinnerz abgebaut haben. Auch das war sehr anstrengend. Um einen Zentner Zinn zu gewinnen, mußten immer zehn Kubikmeter totes, also nicht erzhaltiges Gestein herausgehauen und abtransportiert werden. In Pochwerken, in denen ein Wasserrad große Holzbalken, die sogenannten Pochstempel, auf- und niederbewegte, wurde das gefundene Erz dann zerkleinert. In Schmelzhütten wurde mit Hilfe eines Holzkohlenfeuers das Metall herausgeschmolzen, das aber noch weiter veredelt und verfeinert werden mußte, bis man aus dem schon bei 232 °C schmelzenden Zinn unterschiedlichste Gegenstände herstellen konnte. Der Lohn, den die Bergleute bekamen, war dabei sehr niedrig, höchstens 1 Taler in der Woche.

Davon konnten sie ihre Familie gerade so ernähren. Um 1730 scheint der Bergbau eine große Blüte erlebt zu haben. In den verschiedenen Gruben in Seiffen und dem seit dem 17. Jahrhundert entstandenen Nachbarort Heidelberg wurden insgesamt 500 Zentner (also 25 Tonnen) Zinnerz gefördert. Als die ergiebigsten Gruben in Seiffen werden die Rote Grube (30 Zentner), die Geyerin (60 Zentner) und die Binge (50 Zentner) genannt. In Heidelberg kommen 90 Zentner aus der Unteren und 200 Zentner aus der Oberen Kieszeche, 45 entfallen auf die Grube Erzengel Michael.

Immer wieder gab es aber auch Zeiten, in denen man ganz wenig Erz fand und deshalb auch wenig Geld verdiente. Da war es gut, daß es in Seiffen immer noch etwas gab, womit man auf andere Art Geld verdienen konnte – die Glasmacherei. Zum Glasmachen wurde hier im Erzgebirge in der Regel Quarz gebraucht, aus dem man mit einem heißen Holzfeuer das Glas herausschmolz und weiterverarbeitete. Mehrere Glashütten befanden sich im Gebiet in und um Seiffen, die bedeutendste in Heidelbach unterhalb des Schwartenberges. Für die Glasmacherei aber wurden immer wieder Formen aus Holz gebraucht, die gedrechselt werden mußten.

Drechseln - das bedeutet: Ein Stück Holz wird auf die Metallwelle an einer Drehbank aufgeschlagen. Diese Welle wird über einen Riemen mit Muskelkraft (mit einem Fußpedal) oder mit Wasserkraft (einem Wasserrad) in Drehbewegung versetzt. Dann setzt man auf das sich drehende Stück Holz mit der Hand ein sogenanntes Dreheisen auf, das soviel von dem Holz abträgt, daß die gewünschte Form entsteht. Der Fantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

Bald merkte man: Wir können mit dem Drechseln nicht nur Formen fürs Glas herstellen, sondern auch Teller und Schalen und Becher. Schon Ende des 17. Jahrhunderts machte sich deshalb der Seiffener Händler Hiemann mit dem Schubkarren auf den 130 Kilometer langen Weg zur Leipziger Messe, um dort Seiffener Ware zu verkaufen. Noch später entdeckte man: Auch Spielzeug aller Art läßt sich so gut machen. Dazu erfand man ein besonderes Verfahren: Das Reifendrehen. Dabei wird aus einem Stück Stamm an einer Drehbank ein Holzreifen gedreht. Der Querschnitt des Reifens ist schon das Tierprofil. Der Reifen wird dann aufgespalten und ziemlich schnell hat man ganz viele, gleich aussehende Tiere, die dann noch beschnitzt und bemalt werden. Damit dauerte die Herstellung nicht mehr so lange wie beim Schnitzen und die Spielsachen konnten deshalb preiswerter angeboten werden.

Als dann um 1850 der Bergbau ganz aufhörte, wurde Seiffen ganz langsam als das Spielzeugdorf und noch später als Weihnachtsdorf immer bekannter. Heute werden hier in vielen kleinen und größeren Betrieben herrliche Weihnachtspyramiden, Leuchter, Engel, Bergmänner, Nußknacker und vieles andere mehr hergestellt. In einigen Werkstätten kann man den Drechslern und Spielzeugmalerinnen sogar bei der Arbeit zuschauen.

Das im 18. Jahrhundert aus England aufkommende Rauchen von Tabak in Pfeifen hielt zu Beginn des 19. Jahrhundert Einzug im Erzgebirge. Daraus und aus den um ca. 1820-1830 im thüringischen Sonneberg entstandenen Papiermasseräucherfiguren inspiriert, wurden um 1850 in Heidelberg bei Seiffen die ersten Räuchermänner hergestellt. Als Schöpfer dieses neuen Figurentyps gilt der dort lebende und arbeitende Spielzeugmacher Ferdinand Frohs. Zusammen mit seinem Neffen Gotthelf Friedrich Haustein spezialisierte er sich auf die Fertigung von Räuchermännern und brachte diese vielgestaltig auf den Markt. Bis ca. 1920 hatten diese Räucherfiguren Arme, Beine und teilweise Gesichter aus Teigmasse. Diese war eine Mischung aus Schlemmkreide, Knochenleim, Säge- oder Roggenmehl und kleingestanzten in Sodawasser gekochtem Zuckerhutpapier. Die damaligen Räuchermänner zeichneten sich durch klare und einfache Formen aus. Im Gegensatz zu dem bärbeißigen und grimmigen Nussknackern standen bekannte und beliebte Dorftypen wie Essenkehrer, Postbote, Bergmann, Waldarbeiter, ...

König Nussknacker und sein Gefolge haben einen festen Platz in der reichen Figurenwelt des Erzgebirges. Nüsse gehören neben Äpfeln, kleinen Pfefferkuchen und anderen Süßigkeiten noch heute zum traditionellen Schmuck des Weihnachtsbaumes. Um jedoch an das leckere Innere zu gelangen, musste die Nuss geknackt werden. Dabei half zunächst eine einfache Nusszange, die neber ihrer rein praktischen Funktion schon sehr bald zum Gegenstand figürlicher Dekoration wurde. Bereits aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind aus dem Raum Schneeberg hölzerne "Nussbeißer" überliefert - kräftige Gestalten mit großem Kopf und einem Hebel auf dem Rücken, mit dem man zum Knacken die Nuss gegen den oberkiefer drückte. E.T.A. Hoffmann hat mit seinem wunderbaren Kindermärchen "Nussknacker und Mäusekönig" den hölzernen Gesellen unsterblich gemacht. Der heute weltberühmte Seiffener Nussknacker enstand der Überlieferung nach um 1870 in der Werkstatt von Wilhelm Füchtner. Grundsätzlich hat sich an dem damals angelegten konstruktiven Aufbau um dem Wirkungsprinzip nichts geändert.

In ihrer äußeren Erscheinung ähneln die erzgebirgischen Weihnachtspyramiden anderem Weihnachtsschmuck, wie dem Lausitzer Pyramidenleuchter, den Thüringer Reifenbäumchen oder auch dem Klausenbaum aus Bayern. Der Aufbau aus beweglichen Teilen unterscheidet jedoch die Drehpyramide des Erzgebirges von den anderen Pyramidenformen. Festlich erleuchtet drehen sich durch die aufsteigende Wärme der Kerzen auf den einzelnen Etagen der bekannten “Seiffener Stockwerkspyramide“ die gedrechselten oder geschnitzten Figurengruppen. Bestimmt diente den Spielzeugmachern zunächst das bergmännische Vorbild des Pferdegöpels als Anregung. Für das Gebiet um Seiffen lassen sich Weihnachtspyramiden kaum zeitiger als 1850 nachweisen. Viele der drei- bis siebenstöckigen Stücke zählen heute mit zu den prächtigsten Exemplaren des Seiffener Spielzeugmuseums, entstanden aber ausnahmslos später, einige wurden sogar erst im vorigen Jahrhundert geschaffen. Sie alle waren zunächst Einzelstücke, die in der Adventszeit den Familien der Spielzeugmacher als festlicher Weihnachtsschmuck dienten.

Seit mehr als 250 Jahren ist der Schwibbogen untrennbar mit dem weihnachtlichen Fest des Lichtes im Erzgebirge verbunden. Der Johanngeorgenstädter Bergschmied Johann Teller soll um 1726 den ersten schmiedeeisernen Leuchter in dieser Art angefertigt haben. Der Name verweist auf einen architektonischen Ursprung: Zur Zeit der Gotik bezeichnete man einen frei zwischen zwei Mauern stehenden und von diesen gestützten Bogen als “Schwebebogen“. Die Bogenform geht hingegen auf eine bergmännische Tradition zurück. So haben am “Zechenheiligabend“ die Bergleute zur letzten Schicht vor dem Weihnachtsfest ihre brennenden Grubenlampen wie das Mundloch des Stollens halbkreisförmig an die Wand gehängt. Den Brauchtum dieser sogenannten “Mettenschicht“ kann man in vielen Schaubergwerken des Erzgebirges heute übrigens wieder hautnah mit der ganzen Familie erleben. Wer heute zur Weihnachtszeit durch die Städte und Dörfer des Erzgebirges fährt, wird ihnen übermannsgroß auf öffentlichen Plätzen oder kleiner in vielen Fenstern begegnen, dem festlichen Lichterglanz zahlreicher Schwibbögen.

Es waren zunächst ganz einfache “Klimperkästel“, die als bewegliches und tönendes Spielzeug mit einer kleinen Kurbel von Hand angetrieben wurden. Sie erzeugten zunächst einen eher hölzernen Klang zur Bewegung der Menschen- und Tierfiguren. Erst in der Zeit um 1930 entstanden die ersten “wahren“ Spieldosen. Im Innern durch ein filigranes, mechanisches Musikwerk angetrieben, erklingen seither und noch heute aus den kleinen Kunstwerken ganz unterschiedliche Melodien. Und so verschieden wie die angezupften “Metallstimmen“, so vielgestaltig sind auch die figürlichen Motive in ihrer Darstellung, Bemalung und Ausstattung. Neben Engelsminiaturen, Bildern aus der Märchen- und Sagenwelt oder dem dörflichen Leben wurde auch die Heilige Geschichte mit der Christigeburt zum zentralen weihnachtlichen Thema für die kunstfertigen Spielzeugmacher.